Psychiatrie und Psychotherapie FMH
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Tel. 021 963 85 20 - Fax 30
E-Mail : nickmiller@bluewin.ch NEIN ZU MANAGED CARE
Für die Aufrechterhaltung des Vertragszwanges
zwischen Krankenkassen und jedem vom BAG
anerkannten oder dipl. Arzt FMH.
Montreux, 10. Juli 2007
Liebe Kolleginnen, Liebe Kollegen,
Mit diesem Brief möchte ich euch einladen, über zwei Themen nachzudenken, für die ich mich verpflichtet habe, zu kämpfen: gegen das sog. managed care und für die Aufrechterhaltung des Vertragszwanges.
Ich bin fest davon überzeugt, dass das managed care für die Behandlung in der Psychiatrie und Psychotherapie gefährlich ist, besonders weil das Bedürfnis des Patienten nach einer Behandlung, welches wichtig für eine gelungene Psychotherapie ist, pervertiert wird. Die Frage ist, was für eine Art Medizin heute praktiziert wird. Es geht auch darum, das errungene Recht des Vertragszwanges zwischen Krankenkassen und jedem vom BAG anerkannten Arzt zu wahren. Es ist offensichtlich, dass das System des managed care nicht kompatibel ist mit der freien Arztwahl des Patienten.
Ist die universitäre Aus-, Nach- und Weiterbildung an und für sich keine genügende Garantie der Qualität und Wirtschaftlichkeit unserer Behandlung? Ist der TARMED, der Millionen von Franken gekostet hat, bereits überholt? Den Politikern überlasse ich die Initiative, wirtschaftliche Verbesserungen, welche sie für notwendig halten, vorzuschlagen und verteidige meinerseits die Qualität unserer ärztlichen Arbeit, welche auf unserer Ausbildung und dem täglichen Engagement mit unseren Patienten beruht. Und als Bürger behalte ich mir natürlich das Recht vor, an jedem Referendum, welches notwendig ist, teilzunehmen, wenn die von den Politikern vorgeschlagenen Massnahmen nachteilig sind für die Meinungen, die ich vertrete.
Meiner Meinung nach sind wir, wegen unglücklicher Kompromisse, gerade dabei, im Gesundheitswesen ein Zweikategoriensystem zu schaffen. Vor allem Patienten der Psychiatrie, die Hilflosesten, da geschwächt im Sichverteidigen, werden ohne Schutz dastehen. Qualität im Gesundheitswesen hat einen Preis. Der soziale Frieden auch.
Eine der Thesen der Leitlinien der SGPP verlangt in unserem Beruf von jedem, sich für die Rechte unserer Patienten und für die Qualität unserer Dienstleistungen einzusetzen. Für ein klares Engagement für die Rechte unserer Patienten und unseren Beziehungen zu Ihnen einzutreten, bitte ich euch, zahlreich zur Delegiertenversammlung am 25. Oktober 2007 in Bern zu kommen. Nebst den kantonalen Delegierten hat jedes SGPP-Mitglied das Recht, an der Versammlung teilzunehmen. Nachdem an der Delegiertenversammlung vom 17.03.07 der Antrag Miller, welcher sich einstimmig minus einer Enthaltung für den direkten Zugang des Patienten zum Psychiater bzw. Psychotherapeuten ausgesprochen hat, angenommen wurde, erwarte ich von unserem SGPP-Vorstand eine klare politische Antwort. An der DV vom 25.10.2007 möchte ich folgende zwei Anträge an die Tagesordnung bringen:
Antrag Nr. 1.
a) Als SGPP-Mitglied lehne ich das managed care als direkt oder indirekt erzwungene Rahmenbedingung der psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung ab.
b) Als SGPP-Mitglied akzeptiere ich das managed care als direkt oder indirekt erzwungene Rahmenbedingung der psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung.
Antrag Nr. 2.
a) Als SGPP-Mitglied plädiere ich für die Aufrechterhaltung des Vertragszwanges zwischen Krankenkassen und jedem vom BAG anerkannten Arzt.
b) Als SGPP-Mitglied bin ich damit einverstanden, den Vertragszwang zwischen Krankenkassen und jedem vom BAG anerkannten Arzt aufzuheben.
Ich wünsche, dass der SGPP-Vorstand diese zwei Anträge mit den Varianten a) und b) auf die Tagesordnung der DV vom 25.10.2007 setzen kann. So würden unsere gewählten Vertreter das aktuelle Resultat direkt von Ihren Delegiertenmitgliedern bekommen, damit sie in den aktuellen politischen Debatten klare Stellung beziehen können.
Ich glaube, dass wir ärzte, insbesondere Psychiater und Psychotherapeuten, in der gegenwärtigen politischen Lage unmissverständlich sein müssen. Meiner Meinung nach gilt es die zwei oben ausgeführten Punkte zu verteidigen und wie schon gesagt, den Rest den Politikern zu überlassen. Wir, das Volk, haben unsere Stimme noch abzugeben. Als Psychiater und Psychotherapeut bin ich davon überzeugt, dass eine Qualitätsmedizin für unsere Patienten, die ebenfalls effizient und wirtschaftlich sinnvoll ist, nur durch die Wahrung der freien Arztwahl des Patienten und durch die freie Wahl des entsprechenden therapeutischen Rahmens für das diagnostizierte Leid, welcher der Arzt zusammen mit seinem Patienten definiert, möglich wird.
In der Hoffnung, dass es noch nicht zu spät ist, und dass wir nicht schon vor vollendeten Tatsachen stehen, verbleibe ich
mit freundlichen Grüssen
Dr. Nick Miller, Psychiatrie & Psychotherapie FMH
Dieser offene Brief wird per Post an alle Psychiater- und Psychotherapeuten FMH der Deutschschweiz gerichtet. Der Vorstand der FMH wird gebeten, ihn in der Schweizerischen Ärztezeitung als Leserbrief zu veröffentlichen. Der Vorstand der SGPP wird ebenfalls gebeten, dieses Schreiben dem nächsten Bulletin Psy & Psy im Herbst beizufügen. Die gleiche Bitte geht an den Vorstand der Société Vaudoise de Médecine, diesen offenen Brief in der nächsten Nummer vom Courrier du Médecin Vaudois zu veröffentlichen. Eine weitere Bitte ist, dass dieses Schreiben mittels elektronischer Post medromands alle Welschschweizer Ärzte erreicht.

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